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Erlebnistour 3 - Ehemalige Steinbrüche

Rubrik:Wander-Touren, Eintagestour
Start:Parkplatz Besucherbergwerk
Streckenverlauf:Besucherbergwerk, Große Halde, Steinhauerei, Die Alten Schütten, Deister-Freilicht-Bühne,
Ziel:Parkplatz Besucherbergwerk
Länge:3,69 km
Dauer:2 Stunden
Schwierigkeit:Leichte Wanderung

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Informationen zur Tour

Wanderung zu den ehemaligen Betriebsstätten des Steinkohlebergbaus im Deister, Alte Schütten - Deister Freilicht Bühne

Zechengelände

Zechengelände

Es war einmal:
Vor etwa 130 Mill. Jahren, es ist die Zeit der Unterkreide, befand sich im Gebiet des heutigen Nordwestdeutschlands ein ausgedehntes Becken. Dieses Niedersächsische Becken hatte über lange Zeit keine Verbindung zum Meer. Der Salzgehalt schwankte, es herrschten Süß- und Brackenwasserverhältnisse vor. In einer einzigartigen Landschaft wuchsen große Bau- und Palmfarne. Schachtelhalm und Grinkgogewächse hatten hier ihren Lebensraum, ebenso Eichen, Pappeln, Birken, Koniferen und Zypressen. Wuchernde Pflanzen mit farbenprächtigen Blüten unterbrachen das monotone Grün. Ammoniten, Muscheln, Schnecken, Fische und Krebse fanden in den Seen hervorragende Bedingungen vor. An den Ufern tummelten sich Schildkröten, Echsen und Krokodile.

Diese Zeit war auch die Zeit der Dinosaurier. Unter anderem hatten hier die Iguanodonten, riesige, 5 m hohe, 11 m lange und fast 5t schwere Riesen, ihre Heimat. Nachfolgende Sedimentation, es wurden Tone und Sande in diese Becken abgelagert. Das führte zur Bildung der Ton- und Sandsteine von mehreren 100 m Mächtigkeit. Durch die Abdeckung der abgestorbenen Wälder mit Sandstein entstanden große Kohlelager.

Tektonische Veränderungen der Erdkruste hoben den Deister auf seine jetzige Höhe und Gestalt empor. So wurde der zutage getretene Sandstein schon im 12. Jh. abgebaut. Die Steinhauerei und der Kohleabbau bestimmten über Jahrhunderte das Leben in Barsinghausen. Erst 1957 wurde der Steinkohleabbau eingestellt.

Der Deister besteht aus Mischwäldern und ist daher als Naherholungsgebiet bei Jung und Alt sehr beliebt.


Unsere Wanderung beginnt :

1. Besucherbergwerk

Schon um 1600 wurde im Deister nach Kohlen geschürft. Der Steinkohlenabbau in Barsinghausen ist seit 1831 nachgewiesen. Zunehmende Industrialisierung im 19. Jh. schaffte die Voraussetzung erfolgreicher Bergbautätigkeit. Am 30.04.1957 wurde der Steinkohlenbergbau in Barsinghausen aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Um den Bergbau in der Deisterstadt nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, wurde mit der Aufwältigung des Klosterstollens, der 1.500m tief in den Berg hineinführt, begonnen. Wer möchte, kann den Stollen nach Voranmeldung befahren und sich vor Ort die schwere Arbeit der Kumpels erklären lassen. Wir bleiben jedoch an der frischen Luft und wandern zur bzw. auf die große Bergehalde.

2. Große Halde

Die große Bergehalde besteht aus vielen Tonnen Sand- und anderen Gesteinen aus dem Bergwerk. Bevor man das Kohleflöz erreichte, musste erst mal sehr viel taubes Gestein beiseite gefördert werden. Das kam dann auf diese Halde. Von hier hat man einen weiten Blick ins Calenberger Land, über Barsinghausen und in den Deister. Bei guter Sicht erkennt man in der Ferne das Rathaus von Hannover und das Steinhuder Meer.

3. Die Steinhauerei 

Viel älter als der Kohleabbau ist die Sandsteingewinnung im Deister. Schon im 13. Jh. wurde mit dem Abbau begonnen. Viele steinerne Zeugen sind uns überliefert, u. a. die St. Marienkirche in Barsinghausen sowie die Waterloosäule und das Leineschloss in Hannover. Mitte des 16. Jh. wurde das Steinhauerhandwerk sehr intensiv betrieben. Ende des 17. Jh. waren 29 Steinhauermeister mit Gesellen und Lehrlingen in den Steinbrüchen beschäftigt. Bis Mitte des 19. Jh. war die Steinhauerei das dominierende Gewerbe in Barsinghausen. Von 1000 Einwohnern waren damals über ein Drittel aller über 14-jährigen Männer in diesem Gewerbe tätig. Um die Jahrhundertwende wurde aus wirtschaftlichen Gründen der Steinbruchbetrieb eingestellt. Ein Steinbruch nach dem anderen wurde geschlossen und verfüllt. So sind nur noch wenige sichtbare Zeugen erhalten geblieben.

4. Die alten Schütten

Die ältesten Steinbrüche liegen in den Alten Schütten. Der Name Alte Schütten geht auf das rückwärtige Abschütten der Kummerschichten in den Steinbrüchen zurück. Was wir heute noch sehen, ist nur ein kleiner Teil einer 43 Morgen großen Anlage. Von 1700-1840 hat es hier immer acht nebeneinander liegende Steinbrüche gegeben. Wenn Sie sich auf einen Kummerberg stellen, können Sie die Reste dieser Anlage noch gut erkennen. Warum Kummerberge? - Bevor man an den wertvollen Sandstein kam, musste, zum Kummer der Steinbruchbesitzer, weil zeit- und kostenintensiv, das aufliegende Erdreich und der minderwertige Sandstein abgeräumt werden. Dieser Kummer wurde dann am Rand des jeweiligen Bruches aufgeworfen. Wurde ein Bruch neu aufgemacht, wurde der Kummer auch wieder zum Verfüllen der leer geräumten alten Brüche benutzt. Der minderwertige Sandstein wurde zur Seitenrandbefestigung benötigt und aufgeschichtet. Dadurch konnte ein Nachrutschen des Kummers verhindert werden. Um 1916 wurde der Steinbruchbetrieb in den Alten Schütten eingestellt.

5. Deister-Freilicht-Bühne

Nachdem alle alten Steinbrüche ausgebeutet waren, wurden neue Brüche aufgeschlossen. Im Steinbruch Nr. 1 wurde 1931 die Deister-Freilicht-Bühne eingerichtet. Pächter war bis zur Betriebsstilllegung um 1900 die Fam. Gehrke. Der damalige Rektor der Mittelschule Barsinghausen, Otto Backhaus, später "Vater der Freilichtbühne" genannt, kam bei einem Spaziergang am alten Steinbruch Nr. 1 vorbei. Er sah ein völlig verwildertes und ungenütztes Gelände, doch für die Anlage einer großen Naturbühne schien es wie geschaffen. Mit vielen Mitstreitern und großem Idealismus wurde nach den Plänen des hann. Gartenarchitekten Langerhans eine eindrucksvolle Theaterkulisse geschaffen. Am 31.08.1931 konnte, auf einer der schönsten Naturbühnen, mit dem Stück "Andreas Hofer" die Bühne eröffnet werden. Durch alle Wirren der Zeit hat sie bis heute Bestand gehabt und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Jedes Jahr werden in der Saison von Mai bis September ein bis zwei abwechselungsreiche Stücke dargeboten. Schauen Sie doch mal rein!


Die Wanderroute:

Vom Parkplatz am Besucherbergwerk (1) kommen wir auf den Fußweg, der um die Halte herumführt. Eine Abzweigung führt links auf die Halde hinauf (2). Von hier hat man einen weiten Blick ins Calenberger Land. Wir verlassen wieder die Höhe und gehen weiter um die Halde herum. Dort, wo der Weg sich gabelt, gehen wir rechts (3) immer an der ehem. Schlackenhalte entlang bis zum Tennisplatz. Wir biegen recht ab und erreichen die Straße (4), wo wir uns links halten und nach 200 m rechts in den Wald einbiegen. Jetzt geht es durch einen schattigen Mischwald, immer geradeaus, bis zu einer Kreuzung. Hier halten wir uns links, Richtung Kirchdorf-Egestorf. An der nächsten Kreuzung (5) können wir entscheiden:

Variante 1: Geradeaus weiter kommen wir, wenn der Spalterhalsbach überschritten ist, wir links den Berg hinaufgehen, zur ehem. Voß-Villa mit Steinbruch (6). Hier kann man die Schichtung des Sandsteins gut erkennen. Wir müssen hier wieder umdrehen, den Berg herunter, über den Bach und dann scharf links, auf einem Waldweg steil bergauf, bis wir auf den Fahrweg treffen. Wir wenden uns nach links, gehen 300 m leicht bergauf, bis ein Weg nach rechts abzweigt. Wir sind jetzt im Bereich der alten Schütten (7).

Variante 2: An der Kreuzung nach rechts, Richtung Kamm (5), leicht ansteigend kommen wir dann auch zu der Stelle, wo der Weg in die alten Schütten abzweigt (7). Ob Var. 1 oder Var. 2 vom Eingang zu den alten Schütten geht es auf einem guten Wanderweg leicht abwärts bis zur Deister-Freilicht-Bühne (9). Aber halt! Nach 50 m gehen wir nach links auf einen Kummerberg, um uns ein Bild von der Anlage der ehm. Steinbrüche zu machen (8). Von der Deister-Freilicht-Bühne geht es über die Ludwig-Jahn-Straße - Hinterkampstraße wieder zum Ausgangspunkt zurück. 

Haldenpark

Haldenpark

Deister-Freilicht-Bühne 2006: Tintenherz

Deister-Freilicht-Bühne 2006: Tintenherz

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