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Alte Taufe

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Alte Taufe

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Auszug aus dem Buch: "Über den Deister gehen" von Gudrun Wildhagen und Udo Mierau, ISBN-10: 3980348954:

Die Sage von der "Alten Taufe" - nach Bock

Auf dem Kamm des Deisters liegt oberhalb Barsinghausens die "Teufelskammer". Regellos liegen dort große und kleine Sandsteinblöcke umher. Der größte ist die "Alte Taufe". Der Stein hat ungefahr die Form eines Würfels von drei Metern Seitenlänge. Auf dem ansteigenden Hang ragt er an der oberen Seite jedoch nur einen Meter aus der Erde hervor. Auf der Oberseite dieses Steinriesen befindet sich eine beckenartige Vertiefung. Sie ist fast immer mit Wasser gefüllt. Auch in den trockensten Zeiten. Die alten Germanen sollen den gewaltigen Steinblock als Opferstein benutzt haben. Nach der Einfiihrung des Christentums diente er als Taufstein, daher der Name "Alte Taufe". Die Sage erzählt von ihm folgendes: Auf der "Egge" bei der " Teufelskammer" lag in uralter Zeit die Burg eines heidnischen Adeligen, der Lutter hieß. Mit grimmmigem Hass verfolgte er die Christen, wo immer er sie traf und zwang sie zum Kampf. Der Besiegte mußte ihm dann den erstgeborenen Sohn oder die älteste Tochter übergeben. Die Gefangenen führte er auf seine Burg und opferte sie seinen Göttern auf dem alten Stein, der inmitten seines Burghofes lag. Gnade kannte der rauhe Kriegsmann nicht. Mit größter Befriedigung schaute er zu, wie das Blut in das Becken floß. Er wollte daraus den Willen der Götter erkennen.Foto: R.G.
In einem dieser Kämpfe war Lutter unterlegen. Nun mußte er seine Tochter, seine einzige Tochter, hergeben. Von da an war er noch blinder in seinem Haß gegen die Christen. Seine Wut kannte keine Grenzen, dachte er doch nicht anders, als daß die Sieger sein einziges Kind getötet hätten, wie er es tat! Das war aber nicht so. Die Christen unterrichteten seine Tochter in der Lehre des Christentums und bekehrten sie. Der Vater aber hörte nichts wieder von ihr. So er erfuhr er auch nicht, daß sie verheiratet war und einen erwachsenen Sohn hatte.
Aufeinem seiner Streifzüge im Deister nahm Lutter nun eines Tages zwei Männer, Vater und Sohn, gefangen. Er kannte sie nicht, und sie kannten ihn nicht. So wußte er auch nicht, daß sie sein Schwiegersohn und sein Enkel waren. Lutter wollte, wie immer, die beiden Männer zwingen, Wodan anzubeten. Die aber weigerten sich und sprachen: "Christus, Sieger, gib Gnade den Heiden und mir!" Ergrimmt über diesen scheinbaren Trotz tötete Lutter seinen Schwiegersohn auf dem Blutsteine. Dem Jüngling wollte er noch Bedenkzeit geben, denn dessen Gesichtszüge erinnerten ihn sehr an seine Tochter.

Weil er aber standhaft blieb und sich nicht in seinem Glauben erschüttern ließ, sondern nur sprach: "Christus, Sieger, gib Gnade den Heiden und mir!" schleppte er ihn auch zu dem Blutstein in seinen Burghof und tötete ihn auch.
Als Lutters Tochter von dem Schicksal ihres Mannes und ihres Sohnes erfuhr, machte sie sich in unsäglichem Schmerz auf zu ihrem Vater. Sie ging in die Burg hinein. Am flackernden Herdfeuer, auf Bärenfellen liegend, fand sie ihn. Zwei gewaltige Hunde, die zu seinen Füßen gelegen hatten, sprangen mit wütendem Geheul auf sie zu. Sie fuhr zusammen und blieb leichenblaß stehen. Mit drohender Gebärde erhob sich der Vater und trat auf sie zu. Aus seinen Augen blitzte grausame Wut, als er das Kreuz auf ihrer Brust erkannte. Abwehrend, mit erhobenen Händen, rief das geängstigte Weib aus: "Christus, Sieger, gib Gnade den Heiden und mir!" Dann brach sie zusammen. An der Stimme und im plötzlich heller aufflammenden Lichtschein des Herdfeuers erkannte der Vater seine Tochter . Wortlos umschlang er sie mit seinen Armen und legte sie sanft auf ein Ruhebett. Er wußte, von wem er diese Worte schon gehört hatte! Er wußte plötzlich, wen er injenen beiden Männern getötet hatte. Er fühlte das Walten des wahren Gottes. Lutter erkannte jetzt, daß er die Christen zu Unrecht verfolgte und faßte den Entschluß, selbst Christ zu werden. Er ließ sich auf dem Stein, auf dem er seine vielen unglücklichen Opfer hingerichtet hatte, taufen. So wurde aus dem Opferstein ein Taufstein. Das am nordwestlichen Deisterabhang liegende und heute mit Bantorf vereinte Dorf Luttringhausen soll nach Lutter benannt sein.

Die Sage von der "Alten Taufe" - nach Meissel

Es war kurz nach Karl des Großen Tode. Unsere Vorfahren, die alten Sachsen, waren Christen geworden, aber nur äußerlich. Im Innern hielten sie an ihren Göttern fest. Da lebte im Sünteltale ein vornehmer Sachse mit Namen Magnus. Der war noch ein Heide. Wie alle Verkünder der den Sachsen aufgezwungenen Religion, haßte er auch den Mönch Amelung. den ersten Geistlichen in Apelern. Noch mehr aber haßte er diejenigen seiner eigenen Stammesgenossen. die sich hatten taufen lassen und Christen geworden waren und verfolgte sie auf das Grausamste. So geschah es einst. daß er eine Mutter mit ihrem fünfjährigen Söhnlein gefangen nahm, die beide kurz vorher getauft waren. Da die Mutter von dem Christenglauben nicht lassen wollte, führte er beide zu dem alten Opferstein auf dem Deister. Hier drohte er der Mutter, sie und ihr Kind dem Donar zu opfern, wenn sie dem fremden Glauben nicht abschwöre. Aber sie blieb standhaft. Da kannte die Wut des Heiden keine Grenzen. Erbarmungslos schlachtete er erst das Kind vor den Augen der Mutter, dann diese selbst. Doch der angstvolle Blick des unschuldigen Kindes und die Standhaftigkeit der Mutter mußten wohl sein Herz gerührt haben. Plötzlich erwachte sein Gewissen und ließ ihm keine Ruhe mehr. Da beschwor ihn seine Gemahlin, die schon heimlich eine Christin geworden war, von dem alten Heidenglauben zu lassen und sich zu dem Christengotte zu bekehren. Magnus willigte schließlich ein und wandte sich an den von ihm bisher so gehaßten und bekämpften Mönch Amelung von Apelern. Der unterrichtete ihn in dem neuen Glauben. Als die Taufe vollzogen werden sollte, meinte Magnus, kein Platz in der ganzen Gegend sei dafür besser geeignet, als der alte Opferstein auf dem Deister. Dorthin begaben sie sich. Oben im Stein befindet sich ein Becken, das immer mit Wasser gefüllt ist. Mit diesem Wasser wurde Magnus getauft. Von daher stammt der Name "Alte Taufe". Danach ist hier aber keiner mehr getauft worden.

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